Freitag, 24. Februar 2012

Macau


Laut Tourismusprospekt herrscht in Macau ein "tropisches Klima", leider können wir das nicht bestätigen. Nachdem wir die einstündige Fahrt mit der Fähre über die doch erstaunlich unruhige See (mir war schon ziemlich schlecht, war froh, dass es nur so kurz war sonst hätte ich rückwärts gefrühstückt) hinter uns hatten, mussten wir feststellen, dass es tatsächlich NOCH kühler als in HK war, trotz anders lautender Wetterberichte. So 12 Grad, diesig, windig, alles andere als tropisch. Was uns dann gleich auf der Fahrt mit dem Shuttlebus zum Hotel auffiel, war wie hässlich die Stadt ist. Die Wohnhäuser sind vielleicht noch gar nicht mal alt, sehen aber aus wie Slums.
Trotz allem will man ja die Stadt sehen, auch wenn sie hässlich ist. Wir sind zu Fuß erstmal auf ein altes Fort rauf um uns einen Überblick zu verschaffen und sind dann den ausgetretenen Touristenpfaden entlang durch die Stadt Richtung Wasser gefolgt. Ausgetreten ist in diesem Fall wirklich wörtlich, es waren Massen an Chinesen, die sich da durch drückten, wirklich krass. 
Da gab es ein paar Läden, die (angebliche) Spezialitäten aus Macau verkauften, hauptsächlich Trockenfleisch in verschiedenen Variationen und recht leckere Sesam und Erdnusskekse, die ich dann erstmal eingesackt habe. Dann meldete sich mal wieder der Hunger und wir haben uns für ein etwas schicker aussehendes Lokal entschieden (also nach hiesigen Maßstäben, es gab halt Tischdecken z.B.) Da haben wir Haifischflossen gefunden, relativ teuer natürlich und auch relativ wenig, aber war ein recht interessanter Geschmack. Wir waren auch die Attraktion im Restaurant ob unserer unglaublichen Fähigkeiten, mit Stäbchen zu essen. Ich muss auch sagen, dass das nach einer Weile echt ganz einfach geht, mittlerweile (=noch zwei Tage später) brauche ich da kaum noch groß zu überlegen. Dann ging es weiter Richtung Süden, immer vorbei an potthässlichen Neubauten die gelegentlich von einer portugiesischen Kirche oder ein paar Häusern in dem Stil unterbrochen wurden, manchmal würde man wirklich nicht denken, dass man überhaupt noch in Asien ist. Natürlich gab es auch noch einen Tempel zu sehen, wo ein paar Besucher gerade Knallfrösche abgebrannt haben, keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, kommt aber viel besser als das ewige Gesinge bei den Christen.

Der Tag näherte sich dem Abend, wir uns den Casinos. Leider bieten nicht so sehr viele Casinos Poker an (hab dann rausgefunden, dass es nur noch 3 sind) und im Wynn, wo wir zuerst waren, gab es kein Turnierpoker, also "musste" ich das im Grand Lisboa spielen. Mit 2000HK$ eigentlich zu fett für meine Verhältnisse, aber was soll es, man ist ja nicht jeden Tag hier. Es blieb dann noch genug Zeit, kurz ins Hotel zu gehen, wo Lisa dann auch geblieben ist.
Das Turnier spielte sich dann ganz angenehm, waren nur 30 Teilnehmer, mein Tisch war unglaublich tight. Das war einerseits gut, weil ich ein paar Pötte einfach durch etwas agressiveres Spiel mitnehmen konnte, andererseits aber auch doof, weil man nie ausgezahlt wurde, wenn man wirklich mal gute Karten hatte. Es waren noch 4 andere Nicht-Asiaten am Tisch, hauptsächlich Briten. Bei dem links neben mir war ich mir vom Akzent nicht sicher, hab ihn dann mal gefragt, wo er herkommt, war ein Schweizer, hehe. Rechts neben mir saß ein junger Chinese aus Shenzhen (eigentlich wohl aus Taiwan, wie er später erzählte) der ganz offensichtlich noch nicht oft im Casino gespielt hatte, das hinderte ihn aber nicht daran, gute Karten zu bekommen und zu treffen wie er wollte. Er war denn auch ganz schnell Chipleader (wir haben ihn dann Bank of China genannt) und hat mich auch ins Verderben gestürzt.Hatte mit Ass Dame erhöht, am Flop kam König Neun Neun, ich spiele eine Contibet mit 2000, er erhöht gleich auf 4000, ich muss natürlich rausgehen. Er ist noch so nett und zeigt mir Ass Neun, war ja klar, dass der nicht blufft. Ab da war ich dann kartentot und zum bluffen hatte ich nicht mehr genug Material so dass ich mich dann auch bald mit ein Paar Fünfern als 19. verabschieden musste. Bekam leider zwei Caller (unter anderem Bank of China mit Ass König) von denen einer seinen Buben traf. Bei  Cashgame habe ich dann einen der Briten wiedergetroffen, der eigentlich ein in HK geborener Australier war, war ganz interessant mit dem zu plaudern. Leider kam beim Spiel dort auch nur ca 500HK$ plus raus, so dass dieser Pokerausflug in fremden Gefilden mal wieder in den Miesen endete. :-) Als ich nach Hause kam, war Lisa über dem Laptop beim skypen eingeschlafen und hat mir von einem kleinen Aha-Erlebnis erzählt, dass sie im japanischen Restaurant um die Ecke des Hotels hatte. Irgendwie konnte keiner der Angestellten dort ein Wort Englisch, sodass sie sich von einem jungen Chinesen dolmetschen lassen musste. Dem hat sie dann erzählt, dass sie in Shanghai studieren will, worauf er sie wohl erstmal ausgelacht hat. Wie man auf so eine Idee kommen kann, wenn man die Sprache nicht kann usw. Naja, man wird sehen, ob er recht behält!
Am nächsten Tag war ja schon wieder auschecken angesagt, wir wollten aber noch kurz rüber auf die Insel Tapai, das Venetian angucken. 

Stellte sich, wie das Wynn, als mehr oder weniger 1:1 Kopie des Casinos in Las Vegas heraus, es war nur NOCH größer und die Fake-Gondollieres waren eben Chinesen. Sonst war auf der Insel nichts groß weiter los, wir haben dann den Bus zurück ins Hotel (für weniger als 0,50 EUR) und dann das kostenlose Shuttle zur Fähre genommen und schon waren wir auf dem Weg nach Shenzhen...

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