Laut Tourismusprospekt herrscht in Macau
ein "tropisches Klima", leider können wir das nicht bestätigen.
Nachdem wir die einstündige Fahrt mit der Fähre über die doch erstaunlich
unruhige See (mir war schon ziemlich schlecht, war froh, dass es nur so kurz
war sonst hätte ich rückwärts gefrühstückt) hinter uns hatten, mussten wir
feststellen, dass es tatsächlich NOCH kühler als in HK war, trotz anders
lautender Wetterberichte. So 12 Grad, diesig, windig, alles andere als
tropisch. Was uns dann gleich auf der Fahrt mit dem Shuttlebus zum Hotel
auffiel, war wie hässlich die Stadt ist. Die Wohnhäuser sind vielleicht noch
gar nicht mal alt, sehen aber aus wie Slums.
Trotz allem will man ja die Stadt sehen,
auch wenn sie hässlich ist. Wir sind zu Fuß erstmal auf ein altes Fort rauf um
uns einen Überblick zu verschaffen und sind dann den ausgetretenen
Touristenpfaden entlang durch die Stadt Richtung Wasser gefolgt. Ausgetreten
ist in diesem Fall wirklich wörtlich, es waren Massen an Chinesen, die sich da
durch drückten, wirklich krass.
Da gab es ein paar Läden, die (angebliche)
Spezialitäten aus Macau verkauften, hauptsächlich Trockenfleisch in
verschiedenen Variationen und recht leckere Sesam und Erdnusskekse, die ich
dann erstmal eingesackt habe. Dann meldete sich mal wieder der Hunger und wir
haben uns für ein etwas schicker aussehendes Lokal entschieden (also nach
hiesigen Maßstäben, es gab halt Tischdecken z.B.) Da haben wir Haifischflossen
gefunden, relativ teuer natürlich und auch relativ wenig, aber war ein recht
interessanter Geschmack. Wir waren auch die Attraktion im Restaurant ob unserer
unglaublichen Fähigkeiten, mit Stäbchen zu essen. Ich muss auch sagen, dass das
nach einer Weile echt ganz einfach geht, mittlerweile (=noch zwei Tage später)
brauche ich da kaum noch groß zu überlegen. Dann ging es weiter Richtung Süden,
immer vorbei an potthässlichen Neubauten die gelegentlich von einer
portugiesischen Kirche oder ein paar Häusern in dem Stil unterbrochen wurden,
manchmal würde man wirklich nicht denken, dass man überhaupt noch in Asien ist.
Natürlich gab es auch noch einen Tempel zu sehen, wo ein paar Besucher gerade
Knallfrösche abgebrannt haben, keine Ahnung, was das zu bedeuten hat, kommt
aber viel besser als das ewige Gesinge bei den Christen.
Der Tag näherte sich dem Abend, wir uns
den Casinos. Leider bieten nicht so sehr viele Casinos Poker an (hab dann
rausgefunden, dass es nur noch 3 sind) und im Wynn, wo wir zuerst waren, gab es
kein Turnierpoker, also "musste" ich das im Grand Lisboa spielen. Mit
2000HK$ eigentlich zu fett für meine Verhältnisse, aber was soll es, man ist ja
nicht jeden Tag hier. Es blieb dann noch genug Zeit, kurz ins Hotel zu gehen,
wo Lisa dann auch geblieben ist.
Das Turnier spielte sich dann ganz
angenehm, waren nur 30 Teilnehmer, mein Tisch war unglaublich tight. Das war
einerseits gut, weil ich ein paar Pötte einfach durch etwas agressiveres Spiel
mitnehmen konnte, andererseits aber auch doof, weil man nie ausgezahlt wurde,
wenn man wirklich mal gute Karten hatte. Es waren noch 4 andere Nicht-Asiaten
am Tisch, hauptsächlich Briten. Bei dem links neben mir war ich mir vom Akzent
nicht sicher, hab ihn dann mal gefragt, wo er herkommt, war ein Schweizer,
hehe. Rechts neben mir saß ein junger Chinese aus Shenzhen (eigentlich wohl aus
Taiwan, wie er später erzählte) der ganz offensichtlich noch nicht oft im
Casino gespielt hatte, das hinderte ihn aber nicht daran, gute Karten zu
bekommen und zu treffen wie er wollte. Er war denn auch ganz schnell Chipleader
(wir haben ihn dann Bank of China genannt) und hat mich auch ins Verderben
gestürzt.Hatte mit Ass Dame erhöht, am Flop kam König Neun Neun, ich spiele
eine Contibet mit 2000, er erhöht gleich auf 4000, ich muss natürlich
rausgehen. Er ist noch so nett und zeigt mir Ass Neun, war ja klar, dass der
nicht blufft. Ab da war ich dann kartentot und zum bluffen hatte ich nicht mehr
genug Material so dass ich mich dann auch bald mit ein Paar Fünfern als 19.
verabschieden musste. Bekam leider zwei Caller (unter anderem Bank of China mit
Ass König) von denen einer seinen Buben traf. Bei Cashgame habe ich dann einen der Briten
wiedergetroffen, der eigentlich ein in HK geborener Australier war, war ganz
interessant mit dem zu plaudern. Leider kam beim Spiel dort auch nur ca 500HK$
plus raus, so dass dieser Pokerausflug in fremden Gefilden mal wieder in den
Miesen endete. :-) Als ich nach Hause kam, war Lisa über dem Laptop beim skypen
eingeschlafen und hat mir von einem kleinen Aha-Erlebnis erzählt, dass sie im
japanischen Restaurant um die Ecke des Hotels hatte. Irgendwie konnte keiner
der Angestellten dort ein Wort Englisch, sodass sie sich von einem jungen
Chinesen dolmetschen lassen musste. Dem hat sie dann erzählt, dass sie in
Shanghai studieren will, worauf er sie wohl erstmal ausgelacht hat. Wie man auf
so eine Idee kommen kann, wenn man die Sprache nicht kann usw. Naja, man wird
sehen, ob er recht behält!
Am nächsten Tag war ja schon wieder auschecken
angesagt, wir wollten aber noch kurz rüber auf die Insel Tapai, das Venetian
angucken.
Stellte sich, wie das Wynn, als mehr oder weniger 1:1 Kopie des
Casinos in Las Vegas heraus, es war nur NOCH größer und die Fake-Gondollieres
waren eben Chinesen. Sonst war auf der Insel nichts groß weiter los, wir haben
dann den Bus zurück ins Hotel (für weniger als 0,50 EUR) und dann das
kostenlose Shuttle zur Fähre genommen und schon waren wir auf dem Weg nach
Shenzhen...

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