Da Shenzhen nur als Zwischenstation aus
Verlegenheit eingeplant war (es gab keine Fähre von Macau, die früh genug fuhr,
um den Flug nach Guilin zu bekommen) haben wir uns für etwas preiswerteres in
der Nähe des Flughafens entschieden (Capital Plaza Hotel für 57 EUR/Nacht) und
auch gleich voll ins Klo gegriffen. Ein muffiges, sehr staubiges Zimmer, das
wir erstmal wechseln mussten da wir beide gleich allergische Reaktionen
bekamen. Das neue Zimmer war zwar nur geringfügig besser, aber auszuhalten.
Im chinesischen Restaurant gleich um die
Ecke wurden wir dann ein ein merkwürdiges Ritual eingeführt: Das Essgeschirr
(kleiner Teller, Schälchen, Teeglas und Stäbchen) stand eingeschweißt auf dem
Tisch. Ist ja schon mal ne gute Sache, reicht aber dort nicht. Die Kellnerin
kam dann, nachdem wir alles ausgepackt hatten und hat dann alles noch einmal
mit Tee abgespült und den Tee dann weggeschüttet. Sie kam grad noch
rechtzeitig, bevor ich mir was einschenken konnte, keine Ahnung ob das trinkbar
gewesen wäre oder spezieller Spül-Tee. Das Essen war gut, nur fiel uns auf,
dass es quasi unmöglich ist, wirklich nur Fleisch zu bekommen, ausser man
bestellt Hackfleisch. Alles andere ist mit Knochen gebraten und dann kleingehackt.
Bei Fisch geht das ja noch, aber bei Rindfleisch oder Geflügel ist es einfach
nur nervig und versaut einem auf Dauer den ganzen Spaß. Man muss die
Knöchelchen ja auch noch mit den Stäbchen aufnehmen und dann möglichst
stilgerecht entsorgen, das nervt einfach endlos. Dann haben wir am Nachbartisch
noch ganz andere Knochen gesehen, ca. 2cm dick und 20cm lang, die haben die
Leute irgendwie ausgehöhlt und dann mit Strohhalmen durch die Knochen Suppe
getrunken. Fast jeder hat das da gegessen. Ich habe später hier in Guilin einen
Local gefragt, der meinte, es wäre ein Ding, was die nur da unten in dieser
Provinz machen, der Knochen tut eben gut und bringt ewige Gesundheit, was die
eben hier so alles glauben. Wenn das alles stimmen würde, dürfte kein Chinese jemals
Pech haben oder krank werden…
Der Flug nach Guillin mit China Southern
war wunderbar, und das 5-Sterne Hotel (Bravo Grand Wing) ist hier auch schwer
in Ordnung. Gullin ist ziemlich romantisch, ein Fluss mit Park drumherum mitten
in der Stadt, nachts alles bunt beleuchtet.
Auch Hochzeiten sieht man hier
viele. Dementsprechend war am gestrigen Valentinstag hier auch die Hölle los,
überall Plakate dafür, händchenhaltende Pärchen, herzförmige Ballons und sogar
einen Kusswettbewerb habe ich in der Stadt gesehen.
Tagsüber waren wir mit
einem, eigentlich sogar zwei, Guides und Fahrer in der Stadt unterweg (unter
anderem den zentralen Prinzenpalast aus dem 14. Jahrhundert gesehen, den
Elephant trunk Hill (sieht wie ein Elefantenrüssel aus) und noch in der Reed
Flute Cave unterwegs gewesen, war sehr schön und einfach für uns, vor allem,
weil ihr Englisch ganz hervorragend war.
Jedenfalls habe ich die gefragt, ob
das irgendwelche Wurzeln in der chinesischen Tradition hat oder aus USA
importiert ist, ist natürlich importiert. Sowieso unglaublich, wie westlich
alles hier ist. Im Fernsehen gibt es zwar CCTV 1 bis 16 (Staatsfernsehen) aber
auch HBO Asia und so Sachen. Mag sein, dass das aber nur im Hotel so ist. Und
Essen, in HK gab es wortwörtlich an jeder Ecke einen McDonalds oder KFC, aber
selbst hier in der Provinz gibt es einige und noch mehr durchgeknallte
chinesische Burgerfastfoodnachmachen. Ich könnte jeden Tag Burger essen,
bestimmt machen das viele Chinesen auch, so voll wie es da immer aussieht, aber
natürlich gucken wir ja eher nach den lokalen Spezialitäten. Oder japanisch,
was hier auch super ist, gleich in der
Nähe vom Hotel ist einer, da gehen wir heute abend auch noch mal hin. Sehr
lecker UND total bezahlbar, im Gegensatz zu Berlin…)Wir haben gestern den Guide
zum Essen eingeladen in dem Restaurant, wo sie uns hingebracht hatte, ihr war
es natürlich viel zu teuer. Ich konnte mir einen schönen Fisch im Bassin
aussuchen, der dran glauben musste und dann meinte sie, ob wir denn mal Hase
probieren wollten, als wäre das was total exotisches wie z.B. Hund. Sie
persönlich hatte es auch noch nie gegessen (die süßen Hasen!) und war sehr
überrascht, als wir meinten, dass man das zu Hause schon ab und zu mal isst,
hehe. So kann es gehen mit der kulturellen Verwirrung!! :-)
Das Wetter ist natürlich wie erwartet
äußerst bescheiden, nie mehr als 9 Grad und meistens viel Wind und Sprühregen.
Nur heute (zur Orientierung: Mittwoch, morgen geht es auf die letzte Etappe
nach Shanghai. Leider werden diese Einträge zeitverzögert erscheinen, wir haben
es versäumt uns gegen die Große chinesische Firewall zu wappnen, als wir noch
die Chance dazu hatten) war es bis zum frühen Abend wenigstens trocken, wenn
auch immer noch kalt und windig. Heute stand dann wieder ein pauschal gebuchter
Ausflug auf dem Programm, leider mit einem anderen Guide, die gar nix konnte.
Wir haben quasi den ganzen Tag auf dem Wasser oder im Bus verbracht, erst
Shangri-La angeguckt, ein Art Indianerdorf einer chinesischen Nation, wo man
auch mit Folklore erfreut wurde und wie so üblich gezeigt bekam, wie man früher
Pergament machte und webte etc. pp. Dann ging es Bambusfloß fahren auf dem
Yulong River, was sehr idyllisch war, aber kalt. Wir bekamen eine ziemlich
fiese Show geboten, bei denen Kormorane mit zugebundener Kehle Fische fangen
(und wieder ausspucken) mussten, nicht schön. Leider konnten wir uns auch beim
Mittagessen nicht aufwärmen, das fand nämlich bei dem Scheißwetter auf der
Terasse statt, auch noch zu gesalzenen Preisen. Da sich die beiden Chinesen,
die mit uns auf der Tour waren aber schon brav hingesetzt hatten und bestellt
hatten, wollten wir auch kein Fass aufmachen. Das Essen (Fisch, angeblich
Schwertfisch) war aber wenigstens gut. Anschliessend ging es noch beim
Baynshu-.Tree (oder so ähnlich) vorbei, ein über 1300 Jahre alter riesiger
Baum, wenn man dreimal herumläuft werden angeblich alle Wünsche erfüllt. Mal
sehen. Dann ging es noch einmal auf einen Fluß, diesmal den Li-River. Um 18:00
waren wir völlig durchgefroren wieder im Hotel, Lisa hatte dazu noch mit
Magen-Darm-Kram zu kämpfen, trotzdem haben wir es noch ein zweites Mal in den
Japaner geschafft, der war einfach gut, auch wenn man vom Kobe-Beef in den
Röllchen nicht viel geschmeckt hat, aber das sei ihm verziehen, bei dem Preis, den
er berechnet hat...
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