Montag, 27. Februar 2012

Shanghai

Hier haben wir uns mal fuer China Eastern entschieden, diesmal war zwar kein Platz am Notausgang mehr zu bekommen,war aber trotzdem alles creme. Die Taxifahrt vom Hongquin (oder so) Flughafen bis ins Hotel hat wahrscheinlich laenger gedauert als mit der Ubahn (war Mordsstau) aber bei den guenstigen Preisen hat man wirklich kein Bock mehr, das Gepaeck zu schleppen, vor allem, wenn man es sich teilt. Das Salvo-Hotel war schon etwas aelter und roch leicht muffig und staubig, zum Glueck aber nicht so schlimm wie das in Shenzhen. Ziemlich cool war, dass wir die Deluxe Suite bekamen, das hieß, es gab neben dem Schlafzimmer noch ein Riesenwohnzimmer mit zweitem Fernseher und Couch, wie gemacht fuer die endlosen Skypesessions meiner Nichte. Der Fernseher war irgendwie nur mittelcool, denn trotz 64 Kanälen gab es ganze zwei auf Englisch und das waren auch noch CNN und Bloomberg, sehr erbauend. Ich hab dann abends zum Einpennen immer CCTV5 geguckt, die haben Snooker aus Wales übertragen, da brauch ich den Kommentar nicht zu verstehen.
Wir waren relativ frueh angekommen und auch noch relativ fit, so dass wir gleich Richtung Altstadt durchstarten konnten. Dazu muss man wissen, dass Shanhgai bis 1990 noch eine ziemlich normale bis verschlafene Stadt gewesen sein soll, erst dann hat sich die KP in ihrer unendlichen Weisheit dazu entschlossen, dem ganzen ein bisschen auf die Spruenge zu helfen, unter anderem durch Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone in Pudong (was der Stadtteil oestlich des Flusses ist, wo heute die richtig perversen Hochhaeuser stehen) Jedenfalls kann man in Old Town noch am besten erahnen, wie es frueher mal so ausgesehen hat. Als erstes gerieten wir in ein von aussen voellig unscheinbares Gebaeude, dass sich als Markthalle herausstellte, allerdings jetzt nicht so wie man das aus Berlin zum Beispiel kennt, sondern einfach nur durchgeknallt. Auf mindestens vier Stockwerken ein kleiner Stand am anderen und alle verkaufen schreined bunten Kitsch und Krempel usw, muss man mal gesehen haben. Ich habe es dann tatsaechlich geschafft, da irgendwo ein paar Schnuersenkel (brauchte ich dringend neue) zu finden, dann mussten wir auch schon wieder raus, war nicht auszuhalten. 
Gegenueber war dann der etwas gediegenere Tempel/Garten/Shoppingkomplex wo wir uns erstmalein paar coole Essstaebchen kauften. Ich ess zwar zu Hause eigentlich nie damit, aber die sind ziemlich schick, Mahagoni und so. Leider auch nicht ganz billig. Bei Einbruch der Daemmerung sind wir dann noch am Fluß den sogenannten Bund entlanggewandert, das waren frueher (ganz frueher, nach dem Opiumkrieg) Gebiete unter amerikanischer bzw. franzoesischer Kolonialverwaltung mit praechtigen Gebaeuden drauf. Natuerlich haben die Chinesen auf jedes Haus heute mindestens eine chinesische Flagge gehisst und der Big Ben Turm hat nen roten Stern drauf. Dann ging es noch ueber die Najing Road, unter den unendlich vielen Shoppingstrassen hier wohl die groesste, bei Nacht aber auf jeden Fall die schrillste, nach Hause. 
Den Freitag hatte ich mal zur freien Verfuegung da Lisa Einfuehrungsveranstaltung an der Uni hatte. Bin dann erstmal zum Jinang Tempel gefahren, ein grosses gueldenes Ding, dass wir schon von der Autobahn gesehen hatten.


 Es war nicht nur umgeben von grossen Shoppingmalls, nein aussem im Tempel gab es auch noch Geschaefte. Der Reisefuehrer meint dazu, dass das in China immer schon zusammengehoert hat. Das Innere (Eintritt war knapp 4 EUR) ist dann bis auf den offenen Innenhof und zwei riesige Statuen nur bedingt sehenswert. Danach bin ich der beruechtigten Ninjang Road Richtung Platz des Volkes gefolgt und auch hier war ein Konsumtempel am anderen. Ich wollte nicht wirklich was einkaufen, aber die schiere Groesse und edle Aufmachung von den Dingern ist einfach der Hammer. Da kann bei uns in Berlin nur das Kadewe ansatzweise mithalten. Finde ich ziemlich verwirrend, denn eigentlich ist doch hier in China der boese Kommunismus, oder? Sehr erstaunlich ist auch, dass es hier viele Produkte aus den USA gibt, die es bei uns gar nicht gibt, dasselbe gilt fuer Fastfood. Dairy Queen, Cold Stone Creamery zum Beispiel und als ich dann einen Carls Jr. Burgerladen fand war ich ja richtig neidisch. Und wuetend. ;-)
Am People's Square wurde ich dann Opfer der guten alten Schuhcreme an den Schuh schmieren und einen damit zum Putzen zwingen Masche, war an sich nicht schlimm, da die Botten es mal noetig hatten. Schlimm waren eher die 10 Eur!!!!!!! die die alten Saecke aufriefen. Ich hab nur gelacht und kurz ueberlegt gar nichts zu geben, hab denen dann aber doch jeweils etwas ueber einen Eur in die Hand gedrueckt, haben natuerlich gross Gezeter veranstaltet.
Dann ging mir diese Strasse mit dem staendigen Angelaber ("Lolex, lolex, girls, iphone) auf die Nerven und mir standder Sinn nach etwas Ruhe und ich bin wieder nach Old Town weil da der schoenste und aelteste chinesische Garten Shanghais sein sollte, war natuerlich leider geschlossen. Dann haben mich zwei Chinesen angelabert ob ich Foto machen koennte. Naja, ein bisschen ins Gespraech gekommen, sind aus Peking, haben angeblich lange in Ffm gearbeitet und wollen jetzt mal eine schoene Teezeremonie mitmachen, ob ich nicht mitwolle. Ich hab den Braten schon gerochen bin aber mit weil ich Bock auf Tee hatte. Stellte sich dann heraus, dass pro Teesorte ( ein paar kleine Glaeschen) 6 eur faellig waeren, fuer einige Sorten sogar 15 eur. Natuerlich wurde mir empfohlen, mindestens 6 zu nehmen wegen Glueckszahl und so. Frage mich, ob wirklich jemand so dumm ist. Hab ihnen dann gesagt, dass das ja ne coole Masche waere und hab dann zwei probiert, das war mir der Spass wert. Schliesslich wurde mir die Zeremonie ja auch uebersetzt usw und der Fruechtetee war wirklich der beste, den ich je getrunken habe. Aber dass die Leute hier auch so extrem uebertreiben muessen bei der Abzocke... Noch ein anderes Beispiel, will ne Stange Marlboro kaufen, die kostet 180rmb. Die Alte packt noch drei komische Packen Tabak, die ich nicht will, dazu und meint so "600!" Halloooo?
Lisa war dann endlich fertig mit der Uni und so sind wir abends noch nach Pudong in die Super Brands Mall gefahren, da sollte es laut Reisefuehrer eine Menge Restaurants geben, stimmte auch, letztendlich sind wir aber wieder mal beim Japaner gelandet, der recht teuer und nicht so gut war wie der in Guilin. Dann noch den Sightseeing Tunnel gesucht, der in allen Karten verzeichnet war aber nirgends naeher beschrieben war. An dem Abend war er schon geschlossen, spaeter stellte sich dann raus, dass man da auf automatischen Trolleys durch eine Roehre mit Videoprojektion faehrt, ueber 6 eur fanden wir es aber dann doch nicht wert.
Am naechsten Tag wollte Lisa mit ein paar Komilitonen zu Ikea fahren, da ich das ganz interessant fand und auch ihre Uni mal sehen wollte, habe ich mich mal angeschlossen. Ihr Zimmer ist fuer die 385 eur Miete schon klein und kaerglich, das Bad ne Zumutung aber eine andere Wahl hat sie fuer die 2 Monate kaum.
Der Hammer kam dann, als alle fuenf Leute die ja zum Ikea wollten auf der Strasse standen und sich rausstellte, dass keiner nachgeguckt hatte, wo genau der nun ist. Unsere jungen Akademiker, gute Nacht Deutschland...




Letztendlich waren wir dann beim Carrefour um Hausrat einzukaufen und da man hier mit der Ubahn erstaunlich lange unterwegs ist und alles nicht gerade um die Ecke ist, war der Tag damit auch schon fast rum. Abends haben wir dann dem Reisefuehrer entnommen, dass um diesen bewussten Jinang Tempel das quirligste Stadtviertel sein soll. Koennen wa jetzt nicht unbedingt bestaetigen aber mangels einer genauen Beschreibung haben wir es einfach nicht gefunden, denke ich. Lisa war dann schon so fertig, dass unbedingt ne Fussmassage brauchte, da das ne ganze Stunde dauerte und nur 7 eur kostete hab ich mich mal dazugesellt. War auch ganz gut, obwohl ich wohl vorher jedem nen Vogel gezeigt haette, der sich eine gnze Stunde lang die Fuesse kneten laesst. Dann blieb noch Zeit fuer Abendessen beim Koreaner (auch ohne Hund, den haben wir aus ethischen Gruenden doch gestrichen) 
Am Abreisetag stand dann noch ein besonderes Schmankerl an, Geschwindigkeitsrausch bei 430 kmh mit dem Transrapid, oder Maglev wie er hier heisst. 


Ich glaube zwar nicht, dass es wirklich Zeit gespart hat, da ich aus der Ubahn die auch zum Pudong Flughafen ausgestiegen bin und der Maglev mir auch gerade vor der Nase weggefahren ist. Der Aufpreis von 5 Eur ist natuerlich auch nicht zu vergessen aber ich fands total geil, zu schade, dass wir den in D nie gebaut haben. Dann war es etwas kurios beim Einchecken, ich wollte eigentlich einen Sitz am Notausgang fuer 300rmb kaufen, da kam mir aber so ein Chinese zuvor und hat den letzten genommen. Ich schon so: Scheisse, scheisse, aber dann meinte die Dame, ich kann auch einen Platz in der ersten Reihe fuer lau bekommen, fand ich irgendwie viel besser!! Dann war sogar der Platz neben und hinter mir frei, was nicht so gut war, war dass wir erst geschlagene 90 min nach der planmaessigen Zeit abhoben, zum Glueck hatte ich 2h Zeit in Moskau zwischen den Fluegen. Das Filmprogramm an Bord ließ allerdings auch zu wuenschen uebrig, keine individuellen Bildschirme und auf dem Gemeinschaftsschirm lief erst der Lucky Luke Realfilm im franzoesischen Original mit billiger russischer Syncro drueber und englischen Untertiteln, dann ein russischer Liebesfilm, der ziemlich auf die Traenedruese gedrueckt hat (Der Mann, der in meinem Kopf sprach oder so aehnlich hieß der) dann ein paar Kartoons, Tom und Jerry und Wolf und Hase, wobei die komischerweise auch englisch redeten und nu pagadi kommt als You just wait nicht so geil. Dann gab es den einzigen aktuellen Film naemlich "In Time", den aber wenigstens im Original. Mag ja eigentlich so Science-Fiction-Endzeitkram, aber der war lahm.
Der Transfer in Moskau war schlimmer als der schlimmste Alptraum. Normalerweise latscht man ja einfach durch, vor allem da ich ja schon meine Bordkarte hatte. Hier nicht, hier darf man sich erstmal an einem Schalter anstellen an dem es wie auf dem Basar zugeht, aber natuerlich mit Befehlston. Dann nochmal durch die Sicherheitskontrolle mit den anderen Idioten, hat keinen interessiert, dass man gerade aus einem Flugzeug rauskam. Die fand in einem ca 15 qm großen Raum statt, koennt ihr euch ja vorstellen, wie toll das war. Mit mir auf dem Flug war ein Oesi, den haben sie einfach auf morgen umgebucht, obwohl es um 22 Uhr noch einen Flug dahin gab. Der arme Kerl, im Transitbereich auf DEM Flughafen uebernachten, na schoenen Dank.
Mittlerweile (es ist jetzt Sonntag 20:45 Moskauzeit, 17:45 Mez und Montag 0:45 Shanghaizeit) hab ich es an Bord nach Berlin geschafft, hoffentlich mein Gepaeck ebenso. 
Im Gegensatz zum letzten Urlaub ueberwiegt schon die Freude auf zu Hause. Das chinesische Essen ist mir nach den 10 Tagen schon auf die Nerven gegangen, die ganzen Knochen und der ewige Knoblauch. Dann die Chinesen, die immer draengeln, die schlimmsten Autofahrer der Welt sind und auch nach mindestens sechs Jahren Englisch in der Schule die Zahlen von eins bis zehn und so Sachen wie heiss und kalt nicht verstehen (wollen), selbst wenn man es ihnen auf der Karte zeigt, und einen dann noch auslachen, wenn man aus Verzweiflung zur Zeichensprache greift, muss ich alles nicht fuer laenger haben. (ganz extremes Beispiel vom letzten Tag: wir setzen uns in ein Lokal und stellen fest, dass die Karte nur ganz rudimentaer in Englisch ist und auch keine Bilder drin hat. Auch kann es natuerlich auch keiner auf englisch erklaeren. Kommt die Chefin mit nem Block und Stift an, ich denk so, super wird sie uns was aufmalen, denkste, schreibt sie uns irgendwas in Chinesisch auf. Liegt wahrscheinlich ausserhalb deren Vorstellungskraft, dass jemand keine Schriftzeichen lesen kann...)
Das soll jetzt aber nicht zu negativ klingen, alles in allem war es ein Supertrip, auch Malaysia ist zu empfehlen, wenn man kein Problem hat mit fragwuerdigen Toiletten ohne Klopapier hat... ;-)
Nachtrag Freitag 24.02.
Mein Gepaeck hat es natuerlich nicht geschafft, in Moskau umzusteigen und da ich beim Gepaeckschalter meine Handynummer angegeben hatte, das Ladekabel aber im Gepaeck war, hatte ich ein Problem. Eigentlich ja nicht, wenn es in diesem schoenen Land denn moeglich waere, per Telefon mit den Gepaeckfritzen Kontakt aufzunehmen, da ging aber immer nur ein AB ran. Die Email-Adresse funktionierte auch nicht. Ich muss auch nicht extra erwaehnen, dass die Bandansage nur auf deutsch war, oder? (Letztendlich bin ich dann am Dienstag extra nach Schoenefeld gefahren und hab denen die Adresse vom Buero gegeben, haben das Gepaeck dann auch noch nachmittags geliefert) Ich hatte noch zwei Leidensgenossen mit mir, die auch ohne Gepaeck aus Shanghai kamen und habe den Fremdenfuehrer gespielt. Das war auch bitter noetig, denn fuer Touristen ist hier einfach ALLES so kompliziert wie moeglich. Das faengt mit den Gepaeckkarren an, die nur mit einem Eurostueck funktionieren (hat ja jeder bei, ne) setzt sich ueber den Geldautomaten fort, der nicht, wie ueberall auf der Welt mit ATM beschriftet ist, sondern halt Geldautomat heisst, ueber die nicht ausgeschilderten Weg zum Bahnhof in Schoenefeld, den Fahrkartenautomaten den ich nicht mal auf Anhieb verstanden habe usw... Ich hab mich mal wieder sehr fuer mein Land geschaemt. :-(

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